Mondschein Mythos

Machtvoller Schein und scheinbare Macht
Der Mond hat magische Kräfte: Er steuert das Wachstum von Pflanzen und den Zeitpunkt von Geburten. So steht es in Mondkalendern und Mondratgebern. Doch lassen sich diese Behauptungen auch wissenschaftlich beweisen?

Sturm im Wasserglas
Ebbe und Flut kommen nur zustande, weil die Ozeane riesengroß sind. Bei einem normalen See kann man keinen Effekt mehr erkennen, geschweige denn bei uns Menschen. Die Gravitation – und damit das Gewicht des Menschen – ändert sich zwischen Voll- und Neumond nämlich gerade mal um 0,000035 Prozent. Das ist so gut wie nicht messbar.

Von Mäusen und Monden
Dennoch sieht es oft so aus, als ob Flora und Fauna ihren Lebensrhythmus nach dem Mond ausrichten. So bleiben manche Feldmäuse bei Vollmond nachts in ihren Löchern. Das lässt sich aber auch ohne geheimnisvolle Kräfte des Mondes erklären: Bei Vollmond ist es heller und die Mäuse werden eher von Raubvögeln gesehen. Daher verstecken sie sich und warten, bis es wieder richtig dunkel ist.

Mythos Mondholz
Mondholz stammt von Bäumen, die zu bestimmten Mondphasen geschlagen werden. Es soll besser als normales Bauholz sein, weil es angeblich weniger schwindet, reißt und knackst. Beim richtigen Zeitpunkt zum Fällen der Bäume widersprechen sich die Ratgeber: Die einen empfehlen das Holz bei abnehmendem Mond, die anderen bei zunehmendem Mond zu ernten. Forscher haben daher beide Varianten untersucht. Sie haben gemessen, wie stark das Holz nach dem Schlagen sein Volumen verringert, wenn es auf natürliche Weise trocknet.

Viel Mond, viel Geld
Die am weitesten verbreitete Mondthese lautet sinngemäß: Alles, was zunehmen soll, tue bei zunehmendem Mond. Dazu gehört den Bau eines Hauses beginnen oder Geld investieren. Alles, was abnehmen soll, tue man dagegen bei abnehmendem Mond, zum Beispiel eine Diät beginnen. Ein einfacher Analogieschluss, der leicht zu merken ist. Viele andere Mondtheorien enthalten die Behauptung: Bei bestimmten Mondphasen, insbesondere Vollmond, häufen sich bestimmte Phänomene. Das können Schlafstörungen sein, aber auch Suizide.

Studie im Schlaflabor
Es gibt immer wieder Menschen, die behaupten, sie konnten wegen des Vollmonds nicht einschlafen, sind immer wieder aufgewacht oder haben unruhig geschlafen. Doch wissenschaftliche Studien konnten bisher keinen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Vollmondnächten bestätigen.
Christian Cajochen von der Universität Basel ist im Juli 2013 in einer Studie im Schlaflabor dem möglichen Einfluss des Mondes auf das Leben des Menschen nachgegangen. Bisher wurde vermutet, dass die schlechtere Schlafqualität auf das helle Mondlicht zurückzuführen ist, die nachts durch die Fenster und Gardinen schimmert. Doch gegen diesen Einfluss haben die Forscher Vorkehrungen getroffen.

Hebammen-Wissen
Weit verbreitet ist die Annahme: Bei Vollmond kommen mehr Kinder zur Welt. Der Soziologe Edgar Wunder hat bei seinen Recherchen immer wieder Krankenschwestern getroffen, die das behauptet haben. Doch nur eine Einzige war bereit, mit ihm die Daten statistisch auszuwerten.

Der Mond und das Blut
Aber irgendetwas muss doch an der Kraft des Mondes dransein. In den Mondkalendern steckt schließlich das gesammelte Wissen von Generationen von Bauern, die das Wachsen und Vergehen auf den Feldern beobachteten. as stimmt nicht, sagt der Volkskundler Helmut Groschwitz von der Universität Regensburg. Er hat die ersten Spuren von Mondkalendern in spätmittelalterlichen Schriften gefunden. Diese stammen aber nicht von Bauern, sondern Ärzten. Diese gaben in sogenannten Aderlassbriefen Ratschläge zum geeigneten Zeitpunkt, Blut abzuzapfen und andere medizinische Untersuchungen durchzuführen.

Quelle:www.br.de